von jb am 09.03.2008 um 15:34 in Impression
Es ist kurz vor 11 Uhr, als wir in Hannover, der Stadt mit dem gewissen Nichts ankommen. Besonders bereisenswert ist Hannover nicht, aber aufgrund der CeBIT sieht es wenigstens so aus, wie man dem rechten Beispielbild (Menschenmassen von rothrs) entnehmen kann.

Viele Menschen, von denen sich extrem viele wichtig fühlen und das auch zeigen, indem sie just in der knallevollen S-Bahn radebrechend ihren englischen Geschäftspartner anrufen müssen, strömen mit Rollkoffer in Richtung Messeeingang, nachdem sie den Nahverkehr im Großraum Hannover und damit die Nerven diverser S-Bahn-Fahrer lahmgelegt haben (Verdammt, machen Sie die Türen frei!).

Wir als Freikarten für Fachbesucher-Inhaber sind den wichtigen Trolley-Ziehern, die auch Freikarten für Fachbesucher haben, natürlich mindestens ebenbürtig und kommen problemlos auf das Messegelände, das sich aber ohne Plan als recht unübersichtlich erweist. Ohne Plan finden wir auf die Schnelle leider auch keinen Informationsstand, der einen solchen Plan bereithalten könnte und uns einen Plan über das Messegelände bescheren würde.
Aber wozu braucht man einen Plan, wenn man auch erstmal auf gut Glück gucken kann. Also rein in die erste Halle, die sinnigerweise Halle 2 heißt und in der Hardware aus den Bereichen Information Managment, Business Storage und Virtualisierung ausgestellt wird. Ahja. Interessant ist 'was anderes, aber immerhin gibt's Bananen-Bonbons an diversen chinesischen Hardware-Ständen umsonst, die übrigens allesamt mit distributors wanted-Schildern einer glänzenden Zukunft auf dem westlichen Computermarkt entgegensehen.

Da Bonbons als Hauptmahlzeit nicht ausreichend sind und bei vermehrtem Verzehr vermutlich abführend wirken (das wusste der chinesische Mitarbeiter leider nicht), beschließen wir, uns etwas anderes Essbares zu suchen. Suchen ist das eine, bezahlen das andere. Ein Liter Cola kostet schlappe 3,50€, eine kleine Pommes 4,20€ und eine Kugel Eis 1,50€. Damit lanciert ein Essen auf der CeBIT zur Selbst- und Vermögensdarstellung der selbsternannten Geschäftselite. Weil wir uns trotz Fachbesucher-Freikarte, aber mangels passender Finanzen nicht dazuzählen, fällt das Essen also aus bzw. beschränkt sich auf mitgebrachte Schokokekse und warmes Wasser.

Danach finden wir letztendlich in Halle 3 oder 4, beide schon wieder mit dem Thema Information Managment, einen Lageplan und beschließen, Halle 5 bis Halle 17 aufgrund für uns uninteressanter Themen (Vertical Market Solutions, eHealth, Auto ID/RFID) auszulassen und erst bei Home Electronis, digital living@future building und Interactive Entertainment ab Halle 18 wieder einzusteigen.

Das dachten sich wohl auch Großteile der anderen Messebesucher, die sich mit uns durch die Multimediahallen schieben. Es gibt auffallend wenige Innovationen zu sehen, dafür aber umso mehr Dockingstationen für iPods zu bestaunen, die ihre Funktionalität mangels iPod leider nicht beweisen können. Somit glänzen sämtliche dieser Stationen mit purer Nutzlosigkeit auf der überhaupt wenig interaktiven Messe.
Ebenfalls auffallend ist auch eine unglaubliche Tütenphilie. Erwachsene Menschen stürzen sich in Halle 22 (Interactive Entertainment) auf riesige, leere ATI-Tüten, in denen sie weitere leere Tüten, Bananen-Bonbons und diverse Visitenkarten und Kataloge sammeln:
die grossen tüten die die menschen hier sammeln, scheinen sie sehr glücklich zu machen. man sieht nicht allzuviele attraktive menschen hier, aber sehr viele glückliche menschen.

überhaupt die tüten: waren die immer schon so gross? ich glaube die tüten sind teilweise grösser als ikea-tüten. und was tun die menschen sich in die tüten? altpapier, das sie mit nachhause nehmen, um es dann dort in den altpapiercontainer zu werfen. das ist auf jeden fall günstiger als sich PDFs farbig auszudrucken und dann wegzuschmeissen. (via Felix)
Da die tütensammelnde Masse neben Tüten auch unangenehme Körpergerüche mit sich herumträgt, verlassen wir zwecks Frischluftbedarf relativ zügig die Entertainment-Halle. Vielleicht ist es naiv, neue Spiele oder gar Konsolen zu erwarten, aber irgendetwas Neues aus dem Spielebereich zu sehen, wäre schon schön gewesen, wenn sonst schon nichts Innovatives zum Staunen einlädt.

Kurz bevor wir das Handtuch werfen, riskieren wir noch einen Blick in die TrekStor-Halle, in der eine nölige Chartband die Besucher vertreibt. Als die Band endlich von der Bühne gebuht ist und Ruhe einkehrt, erscheint ein schmieriger Moderator und versucht, das Publikum mit pseudowitziger Schleichwerbung zu unterhalten:
Die Band hat gerade Nudelsalat gegessen und ihn aus Versehen auf ihre TrekStor-Festplatte verschüttet. Aber mit dem TrekStor-Backup-Service lassen sich die tollen Lieder wiederherstellen.
Das geht voll in die Hose, was vermutlich auch daran liegt, dass die meisten Besucher auf das Thema Essen in Verbindung mit CeBIT aus weiter oben angesprochenen Gründen nicht gut zu sprechen sind.
Wenigstens erfahre ich, dass es für meinen MP3-Player ein Firmware-Update gibt, welches ich auf der TrekStor-Website allerdings noch nicht gefunden habe.
Nachdem wir am Bahnhof 1,5 Liter Cola und eine Currywurst mit Pommes Mayo für 3€ erstanden haben, freuen wir uns über eine CeBIT-Ersparnis von geschätzten 10€ und genießen die Heimreise, während sich neben uns riesige ATI-Tüten häuslich einrichten, bis sie der Putzdienst am nächsten Morgen dahin schmeißen wird, wo sie hingehören – auf den Müll. Bis zum nächsten Jahr.

Übrigens: Die unter dem Motto GreenIT stehende CeBIT hat mir nur einen einzigen grünen Wink gegeben, den ich dafür aber umso origineller finde:


Bei 15-20 Grad Außentemperatur wäre ein Glas Green I(ce) Tea allerdings passender gewesen als ein warmer Tee und hätte uns auf jeden Fall an den Stand gelockt.
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