von jb am 06.08.2008 um 01:38 in Musik

Seit Wochen schiebe ich die Kritik von Alex Amsterdams Debüt Stillness of a moment vor mir her; nicht aus Bequemlichkeit oder Antipathie, sondern weil ich dem Album gerecht werden will. Denn eines ist der erste Longplayer des begnadete Gitarrenspielers sicher nicht: Ein langweiliges Album eines weiteren Independent-Singers/Songwriters, der auf die aktuelle Hypewelle aufspringen will.

Im Gegenteil, Alex Amsterdam versucht, die Einzigartigkeit eines Momentes in seinen Liedern festzuhalten. Momente, die das Leben widerspiegeln; Momente, in denen alltägliche Probleme dominieren oder Momente, die die Faszination des Lebens in einem Augenblick greifbar zu machen scheinen.

Das klingt abstrakt und hochgestochen, gar langweilig und nicht zuletzt nach inhaltslosem Geschreibsel, das sich ein armer Texter in Ermangelung einer geeigneten Rezension aus den Fingern gesaugt hat. Wer allerdings selber dieses Gefühl erlebt, wird verstehen, was ich und, viel wichtiger, Alex Amsterdam mit seiner Musik, zum Ausdruck bringen möchte.
Und genau dieses Gefühl habe ich gerade erlebt und ist einer der Gründe, warum ich zu nachtschlafender Zeit vor dem Computer hocke und diese Rezension schreibe.

Gerade, das war eine dieser schrecklich schwülen Sommernächte, die ich mit einem Bier, einer Zigarette und Musik ausklingen ließ. Und während ich dasaß, rauchte, trank und der wunderschönen Melodie von The Pain lauschte, kam mir ein Zitat vom Alex' in den Sinn, das ich dutzende Male beim verzweifelten Versuch, eine Rezension zu schreiben, gelesen hatte; ein Zitat, dessen Sinn sich mir erst jetzt erschloss: „Ich finde mich oft in Situationen wieder, in denen man glaubt, in einem Moment gefangen zu sein. Und dann ist alles still.”

Das war es. Das große Ganze war egal, der Moment, die Stille um mich herum, die dunkle Nacht zählten, dazu die Stillness of a moment-Platte, die wie für mich gemacht zu sein schien. Auf diesen Moment hatte ich gewartet, um nicht das ganze Pressegelaber von „emotionalem Gesang und flüssigem Spiel” blind zu übernehmen, um nicht über etwas zu schreiben, von dem ich nicht die leiseste Ahnung hatte und dadurch dem ganzen Album seine Wirkung abzuerkennen.

Wen interessiert es, dass Alex Amsterdam aus Düsseldorf kommt, 27 Jahre alt ist, sich selbst als Dauertourer bezeichnet und über 100 Livegigs gespielt hat? Wen hat er supportet? Pfff, guckt bei MySpace, wenn ihr euch besser fühlt, harte Fakten zu kennen. Das alles sind Äußerlichkeiten, die Musik nicht beschreiben können.

Erst recht nicht Alex Amsterdams Platte, die sicher nicht alltäglich ist, sondern für den Augenblick gemacht ist. Mit einer Mischung aus lauten und leisen, treibenden und langsamen Songs über Momente, die das Leben widerspiegeln; Momente, in denen alltägliche Probleme dominieren oder Momente, die die Faszination des Lebens in einem Augenblick greifbar zu machen scheinen. Nicht für die hektischen Tage des Lebens, sondern für die besonnenen und ruhigen Augenblicke.
Kommentare

Friedel (16.08.2008 um 02:31)
Test...3...2...1...go!
Ob's mit Opera klappt?!?

Sehr geile Mucke, hab' direkt die CD geordert!
Auch ein Metalhead braucht Ausgleichsmusik! :D
Hat mich irgendwie an die alten Lemonhead(zB. It's a shame about Ray) erinnert...
jakob (17.08.2008 um 01:11)
Ich kann mir das nicht erklären, dass du mit den anderen Browsern Probleme beim Kommentieren hast. Seltsam...:-/

Schön, dass du wenigstens mit der Rezension etwas anfangen kannst. Ich bin sonst eigentlich auch kein Fan allzu ruhiger Musik, aber wie du schon schriebst, zum Ausgleich absolut geeignet.
Trackback
Trackback-URL: http://tunefish.net/trackback/228
Kommentar schreiben

Name:
*Email:
*Website:

Klick für Reload
Kommentar:
 

* freiwillige Angaben; die Mailadresse wird nicht veröffentlicht!