von jb am 15.08.2008 um 18:21 in Politik & Kultur
Beim täglichen Blogstöbern fiel mir ein kleiner Beitrag auf theLager ins Auge, in dem auf ein neues Magazin namens „Human Globaler Zufall” hingewiesen wird. Der Name klingt eher sperrig und nicht wirklich wie das Gelbe vom Ei, bringt die Idee des Magazins aber auf den Punkt: Es geht um Lebensgeschichten von Personen, die global durch einen roten Faden verbunden sind. Der erste Protagonist kennt den zweiten Protagonisten, und der bestimmt die dritte Person, die eine interessante Geschichte zu erzählen hat. Zufällig, global und auf die Menschen fixiert.

Das Konzept der per Zufall bestimmten Reportagen gewann im Jahr 2007 beim Scoop! Ideenwettbewerb der Axel Springer Akademie und wird für zwei Jahre mit bis zu 500.000€ gefördert.

Das lasse ich mich natürlich nicht entgehen und konnte zu meiner Überraschung ohne Probleme ein Exemplar der zweiten Ausgabe im Pressefachgeschäft meines Vertrauens erstehen. Für 5€ gibt's ein gut 140 Seiten starkes Magazin mit sehr wertiger Haptik, gedruckt auf rauem Umweltpapier und mit einem passenden roten Bändchen als Lesezeichen versehen:
FOLGEN SIE DEM ROTEN FADEN: VON der einsamen Akemi in Sapporo ZU ihrem Liebhaber Paul nach Paris ZU Carmen und ihrer Kunsttherapie in Sao Paulo ZU Gunda und dem Zweiten Weltkrieg nach Bern ZU Falk und seinen Geschäften in Tiflis NACH Shanghai, wo Herr Jia in die Zukunft blickt.
Die Geschichten sind kurzweilig geschrieben, teilweise könnte aber die Rhetorik etwas ausgefeilter sein. Mehrere Doppelseiten mit Fotos inklusive Erklärungen illustrieren die Reportagen in erstklassiger Weise. Im Text selber finden sich briefmarkengroße Symbolfotos wie die deutsche Flagge oder Porträts, die in der geringen Auflösung allerdings recht witzlos wirken. Interessant sind kurze Erklärungen zu Menschen und Kultur des jeweiligen Land und Anekdoten der Redakteure, mit denen jede Lebensgeschichte versehen ist.
Die Anordnung von Impressum und Leser- sowie Pressestimmen noch vor den Reportagen empfinde ich als unpassend, weil der eigentliche Inhalt erst nach vielem Blättern zum Vorschein kommt. Werbung beschränkt sich dankenswerterweise auf den Anfang des Magazins und reißt somit die Reportagen nicht aus ihrem Zusammenhang.

Die Idee ist klasse, das Design sowieso, die Umsetzung in großen Teilen auch. Hier und da könnte man noch etwas feilen, aber im Großen und Ganzen ist „Human Globaler Zufall” ein interessantes Projekt, das es sich anzuschauen lohnt. Ich bin gespannt, ob das Magazin auch nach der zweijährigen Förderung durch die Axel Springer Akademie Bestand im Zeitschriftensegment haben wird. Zu wünschen wäre es dem Konzept.

Website von Human Globaler Zufall
Weiterführende Informationen
Interessant: Kleine-Welt-Phänomen
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