von jb am 01.09.2008 um 20:37 in Film & Fernsehen
Batman hat es nicht leicht in seinem Kampf gegen das Verbrechen. Dubiose Nachahmer erschweren ihm ungewollt seine nächtlichen Einsätze, die Polizei hat ihn offiziell zur Fahndung ausgeschrieben und sein ziviles Leben als millionenschwerer Unternehmer Bruce Wayne ödet ihn mit unbedeutenden Besprechungen, gesellschaftlichen Verpflichtungen und oberflächlichen Geschäftspartnern an. Seine Jugendliebe Rachel Dawes ist mit dem neuen Staatsanwalt Harvey Dent liiert, der in den Medien das ist, was Batman nicht sein kann: Ein Held mit Profil, der Gotham City von Kriminellen befreit und der Bevölkerung den Halt gibt, den Batman ihnen trotz seiner Rächermissionen nicht geben kann. Gemeinsam mit dem Polizisten James Gordon sagen sie dem organisierten Verbrechen den Kampf an und können erste Erfolge gegen den kriminellen Mafiasumpf in Gotham City vorweisen, als ein unbekannter Fremder die Stadt betritt: Joker.

Diese Stadt verdient ein anderes Kaliber von Verbrechern... Und ich werde dafür sorgen. – Joker

Joker ist Batmans Antithese, ein geschminkter Clown, psychisch krank, laut, schmatzend, johlend, glucksend, zischelnd, rülpsend, sich mit der Zunge über die Narben fahrend und mit den Händen die fettigen Haare durchkämmend. Er reißt perverse Witze und klärt jeden über den Ursprung seiner Narben auf, die ihm in der einen Erzählung sein saufender Vater, in der anderen seine irre Ehefrau zugefügt hat.
Wo er auftaucht, herrschen Anarchie und Terror, gegen die Bevölkerung ebenso wie gegen die eigenen kriminellen Reihen, planlose Zerstörungswut und unberechenbares Chaos zeichnen ihn aus. Joker selbst ist das personifizierte Chaos, ein Terrorist, der den durch Batman und Staatsanwalt Dent in die Enge getriebenen Mafiagrößen seine Hilfe anbietet: Gegen die Hälfte ihres Vermögens will er Batman töten. Die Mafiabosse nehmen Jokers Angebot widerwillig an und verursachen damit eine Welle der Gewalt in Gotham City, als dieser verkündet, bis zum Tage von Batmans Demaskierung Zivilisten zu töten.

The Dark Knight ist mein erster Batman; ich kenne weder die Vorgängerfilme noch die Comicreihe und kann nicht beurteilen, ob sich Handlung und Szenerie verbessert oder negativ entwickelt haben und inwieweit die Comicvorlagen adäquat adaptiert wurden. Das ist mein Vorteil, denn ich begebe mich gänzlich unbefangen auf die Reise durch Gotham City. Und mein erster Eindruck ist überwältigend: Gotham ist riesig, schmutzig-grau und strahlt kühle Distanz, fast Utopie aus. Atmosphärisch dicht und mit pointiertem Humor wird das banale, aalglatte und beherrschte, ordentliche, langweilige Leben der Protagonisten dargestellt. Jokers Erscheinen relativiert diese Ordnung und zeigt die Macht eines irren Psychopathen, eines Terroristen, wie ihn die reale Welt zu oft kennengelernt hat.
Vielleicht deshalb sparen die Nolan-Brüder nicht an subtil übermittelten Wertvorstellungen und dem Seitenhieb auf die aktuelle terroristische Lage in der Welt, lassen den erhobenen Zeigefinger aber glücklicherweise nicht dominieren, um dem Zuschauer weitreichende Moralpredigten zu ersparen.

Allein die Charakterdarstellung des auf eine perverse Art faszinierenden Jokers, grandios gespielt von Heath Ledger, ist den Besuch von The Dark Knight wert. Christian Bale als kühl-sympathischer Bruce Wayne bildet in Kombination mit Aaron Eckhart als offener und zielstrebiger Harvey Dent Jokers perfekten Gegenspieler.

Sicher auch wegen des Unfalltodes von Heath Ledger in diesem Frühjahr ist The Dark Knight der Film mit dem erfolgreichsten Start in den USA aller Zeiten. Aber auch unter der Oberfläche weiß Batman mit zweieinhalbstündiger Unterhaltung auf höchstem Niveau zu überzeugen und ist damit einer der besten Filme des mauen Kinosommers sowie einer der beeindruckendsten Filme, die ich jemals im Kino gesehen habe. Wer The Dark Knight noch nicht gesehen hat, sollte sich den Besuch nicht entgehen lassen!



Link zum deutschen Trailer
Offizielle Filmwebsite
The Dark Knight in der IMDb

© Warner Bros.
Kommentare

lexxa (02.09.2008 um 03:51)
Ich hab ihn mir gestern in barcelona angesehen und war auch begeistert! hammer.. vor allem der joker - da ich schon jack nicholson als joker gesehen habe und von ihm nicht wirklich überzeugt war.
deinen ausführungen kann ich mich nur anschließen, offen und unbeantwortet bleibt lediglich nur die eine frage (mir zumindest): ist batmans kostüm zu eng, sodass er einfach nicht anders sprechen kann, oder was soll das?
;-)
befreit ihn doch endlich von diesem korsett!!
jakob (02.09.2008 um 21:33)
Der Joker ist eine der besten Charakterdarstellungen, die ich jemals gesehen habe. Lässt sich vllt. mit Robert Knepper vergleichen, der als T-Bag in Prison Break einen pädophilen Mörder spielt. Als Zuschauer habe ich einen regelrechten Hass auf diese Figur entwickelt. Sowas ist wirklich beachtlich.

Batmans Stimme soll vermutlich zu seinem seriös-kühlem Äußeren beitragen. Die hatte doch auch eine Art metallischen Widerhall.
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